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Digitaler Nachlassdienst

Der normale Internet-Nutzer verfügt über Zugriffe auf eine Vielzahl von Internet-Plattformen wie eBanking, eBusiness, eMail, eCommerce, Social Media Accounts oder kostenlose Datenspeicher in der Cloud. Doch was passiert mit diesen personen-bezogenen Daten nach dem Ableben ihrer Eigentümer? Wem gehören Sie? Wie können die Zugriffsrechte vererbt werden? Welche Unterlagen werden benötigt, um vom jeweiligen System-Betreiber die Zugriffsrechte zu erhalten?

Dieser Beitrag versucht zunächst, die sich für das Internet abzeichnende Problemstellung anhand von verfügbarem Zahlenmaterial zu erfassen und deren Konsequenzen für die Zukunft zu interpolieren. Anschließend werden aus medizinischer und juristischer Sicht die Rahmenbedingungen skizziert, die für eine Problemlösung zwingend einzuhalten sind. Zuletzt erfolgt die technische Skizzierung für eine Internet-Plattform „Digitaler Nachlassdienst„.

Stirbt ein Internet-User, so hinterlässt er auf bisher unabsehbare Zeit seine Identität im Web. Er nutzt zur Lebenszeit eine Vielzahl von Internet-Plattformen wie Bank-Konten, eMail-Postfächer, Business-Plattformen (beispielsweise Xing, LinkedIn), digitale Kaufhäuser (beispielsweise Amazon, eBay) oder Social Networks (beispielsweise Twitter, Facebook, Google+). Seit 2011 gehört es zum guten Ton, die Urlaubsbilder über kostenlose Cloud-Plattformen (beispielsweise iCloud, DropBox oder Mediencenter) mit Freunden auszutauschen.

Die hier aufgezeigte, post-mortale Problematik ist noch nicht im Bewusstsein der jeweiligen Interessensgruppen angekommen.

Da sind zum einen die Internet-Nutzer selbst. Vorsorge für die Regelung ihres Letzten Willens treffen sie allenfalls mit Patientenverfügungen oder Testamenten. Die erhältlichen Standardvorlagen enthalten aber bisher keine Empfehlungen, wie mit den zugriffsgeschützten Internetkonten zu verfahren ist.

Die Hinterbliebenen sind ebenso unwissend wie machtlos. Woher sollten sie auch wissen, wo in der Internetwolke sich der Verstorbene getummelt hat und welche geheimen Passwörter er jeweils verwendet hat. Ihre letzte Hoffnung ist oftmals, den versteckten Zettel mit den vertraulichen Zugriffsrechten zu finden.

Für die Plattformbetreiber gibt es keine allgemein anerkannten Gesetze, Vorschriften, Empfehlungen oder Regelungen, nach denen sie über verstorbene Mitglieder informiert werden müssen und die ihnen vorgeben, wie sie betroffene Accounts abzuwickeln haben. [Weiter…]

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2 thoughts on “Digitaler Nachlassdienst

  1. Hallo,
    ein sehr interessanter Bericht haben Sie da, vor allem auch sehr umfassend dargestellt.
    Mich hat dieses Thema vor kurzem gestreift, als der Mann meiner Freundin verunglückte. Sie war immer froh, dass er sich um die Computer-Themen kümmerte. Und plötzlich kam sie nicht mehr an die Bank-Accounts ran.
    Mich würde aber mal interessieren, wer hier wirklich vorsorgt und sein digitales Erbe dokumentiert.
    Frauke

  2. Hallo Frauke,
    das Erlebnis, das Du beschreibst, wird immer wieder geschildert und dürfte daher der Klassiker sein. Oftmals ist die Situation, dass die Hinterbliebenen gar nicht wissen, dass der Verstorbene bei der Bank XY ein Internet-Konto führte. Wenn dann beim Aufräumen der Wohnung keine Bank-Unterlagen gefunden werden, kann auch keiner mit dem Erbschein zur Bank.
    Was dann passiert, habe ich soeben mit der Hotline der DiBa (vermutlich kann es auch eine andere Bank sein) geklärt: es wird gewartet, bis sich jemand meldet (z.B. eine Behörde) und auf meinen Tod hinweist. Welche Behörde sich dann wann meldet, konnte mir nicht gesagt werden. Jedenfalls wird dann mein Konto gesperrt bzw. inaktiviert. Ob die Bank dann wegen meinem bischen Guthaben von sich aus nach meinen Erben sucht, beispielsweise über das Nachlassgericht, wurde nicht bestätigt. Als Lösung wurde mir der Abschluss eines Vertrages zugunsten Dritter vorgeschlagen.
    Zu Deiner Frage, wer sein digitales Erbe dokumentiert: mir liegt kein belastbares Zahlenmaterial vor, daran wäre ich auch interessiert.
    Viele Grüsse!

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